• Seealpen 2014 – 6. Juli 2014

    Endlich können wir weiter…

    Grasse – Gorges du Verdon (Grand Canyon du Verdon) – Entrages (233,1 km)

    Der Sommer hat uns wieder. Es ist schon morgens sommerlich warm.

    Wir brechen unsere Zelte im Best Western-Hotel ab und starten in Richtung Gorges du Verdon, von der wir den inneren und äußeren Ring komplett fahren wollen.

    Der Straßenzustand ist gut, ab und an eng, der Verkehr hält sich in Grenzen, obwohl es Sonntag ist und die Ferien in Frankreich begonnen haben.

    Die Aussichten sind fantastisch: Gestreifte Felsen, knallblaue Seen und alles unendlich groß.

    Am Nachmittag zieht sich der Himmel zu und wir packen unsere Ausrüstung mal wieder regendicht ein. Für 5 Minuten Regen aus einer einzigen von den ganzen Wolken.

    Bei Entrages finden wir ein nettes Hotel direkt an der Bahnlinie (sehr wenig Verkehr), bei dem wir die Motorräder rückwärts über einen abschüssigen Schotterparkplatz in den Hinterhof rangieren. Mühsam, aber perfekt – eingeschlossen und von der Straße aus nicht zu sehen.

    Die Wetteraussichten für folgenden Tage, nein sogar für die ganze Woche, sind grottig. Was tun? Für den nächsten Tag steht die Fahrt nach Alpe d’Huez und über den Col du Galibier auf dem Plan.
    Wir beschließen bis zum nächsten Morgen zu warten und zu schauen was das Wetter tatsächlich macht.

     

    Links:

    Hôtel Relais de Chabrières

    Route:

    Grasse – Chabrières

    weitere Bilder:


  • Seealpen 2014 – 5. Juli 2014

    Grasse (38 km)

    Am nächsten Morgen steht zumindest schon mal fest, dass wir in dem Hotel nicht bleiben wollen.

    Um 9 Uhr habe ich beim ADAC angefragt, ob es schon was neues gibt. Nein, die Werkstatt, die man im Blick hat, macht erst um 10 Uhr auf. Man meldet sich.

    Also sind wir mit Sack und Pack aus dem Hotel ausgezogen. H-Man hat die KTM umgeparkt und bepackt. Mit den restlichen Sachen richten wir uns im Café der Bar, in der wir das Spiel gesehen hatten, auf dem Place du Cours häuslich ein.

    Um 10.40 Uhr meldet sich der ADAC. Man hat eine Honda-Werkstatt in Mougins gefunden, die bereit ist sich heute noch die Honda vorzunehmen. Man bringt sie jetzt dahin. Man meldet sich.

    Wir verbringen diesen wunderschönen Sommertag also damit Postkarten zu schreiben und zu entdecken, dass die Stadt Grasse ein für jeden zugängliches W-Lan Netz anbietet. Und wir warten.

    Um 12.20 Uhr rufe ich den ADAC an. So lange kann die Diagnose in der Werkstatt doch nicht dauern. Es ist Samstag und ich weiß ja wann bei uns die Werkstätten samstags schließen. Auskunft der Werkstatt: Eine Diagnose können sie erst um 15.00 Uhr stellen. Damit ist klar, dass wir an dem Tag nicht weiter kommen und uns auf die Suche nach einem Hotel machen können.

    Wir beschließen uns was zu gönnen und wollen ein Zimmer im Best Western Hotel Elixir Grasse buchen. Teuer, aber sicher besser, als das letzte. Über hotel.de buchen wir das Zimmer für knapp 100 € plus Frühstück, das über die Best Western Webseite noch 160 € plus Frühstück kostete.

    Das Hotel ist ca. 4 km vom Place du Cours weg. H-Man kann ja problemlos hinfahren, aber ich stehe da mit zwei Kofferinnentaschen, Tankrucksack, Kameratasche, Helm, Jacke und Schildkröte. Motorradhose und Stiefel hatte ich an. Wozu gibt es Taxis?
    Der Besitzer der Bar, der unser Dilemma mitbekommen hatte, versucht ein Taxi für mich zu bestellen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Frankreich keine Beförderungspflicht für Taxen. Ist die Fahrt nicht genehm muss sie nicht gemacht werden. 5 Taxiunternehmer sagen direkt ab. Der Bar-Besitzer nennt mir zwei Buslinien, die direkt am Hotel halten, die Haltestelle sei 300 m weiter. H-Man zweifelt. Mit dem ganzen Gepäck willst du Bus fahren? Ich bin optimistisch, immerhin bin ich in dem Bereich Profi und irgendwie muss ich ja ins Hotel kommen. Als ich schon aufbrechen will kommt der Bar-Besitzer mit einer guten Nachricht: Unternehmer Nr. 6 hat ihn zurück gerufen. In 10 Minuten ist das Taxi da. Halleluja!

    Die 4 km Fahrt kostet 14,20 € plus Trinkgeld.

    Im Hotel angekommen entern wir die Pool-Terasse und genießen den professionellen, fast unterwürfigen, Service.

    Wir suchen Honda-Werkstätten in der Gegend und finden die, in der vermutlich mein Motorrad steht. Die Adresse schreiben wir uns schon mal auf, rund 11 km vom Hotel weg.  Bei dem Preis für 4 km Taxifahrt wird das ein teures Vergnügen. H-Man schlägt seinen Soziussitz als Lösung vor, der soll nach Forumsberichten bequem sein. Ich lehne ab. Er ist noch nie mit Sozia gefahren und ich bin alles, aber keine Sozia. Die 4 km Sozia-Erfahrung in meinem Leben haben mir gereicht. Dazu kommt, dass ich kein Leichtgewicht bin und dann auf der hochbeinigen KTM.

    Um 15.40 Uhr rufe ich erneut beim ADAC an. Der Sonntag rück näher. Ich solle in zwei Minuten zurück gerufen werden und so geschieht es. Man braucht die Erlaubnis eine neue Batterie einbauen zu dürfen. JA!!! Natürlich!! Ok, wo wir denn wären? Die Werkstatt ist die, die wir uns schon rausgesucht haben, aber sie machen um 17 Uhr zu. Wir sollen uns schon mal auf den Weg machen.

    Ich entscheide mich dann doch für den Sozius-Sitz der KTM.  Der ist inkl. Kniewinkel trotz meiner 181 cm durchaus bequem.
    H-Man hat ganz schön zu kämpfen, obwohl ich so ruhig wie möglich sitze, versuche kaum zu atmen, nicht mit dem Helm zu ditschen, immer brav über die passende Schulter zu schauen und in Kurven und Kreisverkehren mit nach innen zu gehen. Immerhin höre ich nach der Hälfte der Strecke auf mich extrem fest zu krallen. Stadtverkehr ist trotzdem eine Qual für uns beide und das bei 26°C im Schatten.

    An der Werkstatt angekommen gilt es erstmal zu klären, ob wir richtig sind. Man schickt mich von der Auto-Abteilung im Erdgeschoss um die Ecke in den Keller zur Motorrad-Werkstatt. Ein Mitarbeiter kommt auf mich zu und fragt mich, ob er mir weiterhelfen könne. Ich habe die Honda mittlerweile entdeckt und stammel nur noch “Ma moto!!”, während ich drauf zeige.
    Er nickt, gibt mir zu verstehen, dass er sie nach oben bringt und ich schon mal vorgehen soll.  Selbstredend spricht in den Laden keiner Englisch und so kommt für mich bröckcheneweise raus, dass es wirklich nur die Batterie war (3,5 Jahre alt) und sie im System gesehen haben, dass die Maschine erst vor 3 Wochen zur Inspektion bei Honda war.

    196 € später (137,50 € Batterie, 25,80€  Diagnose plus 20% Mehrwertsteuer) habe ich um 16.50 Uhr die Honda wieder.  Für den Preis ist die Honda immerhin halb gewaschen worden.

    Ist das herrlich wieder auf der eigenen Maschine und vor allem auf dem vorderen Sitzplatz zu fahren. Ich bin einfach keine Sozia.

    Zurück im Hotel rufe ich den ADAC an, melde den Vorgang als abgeschlossen und bitte darum allen beteiligten Mitarbeitern danke zu sagen, denn die Abwicklung war klasse. Schnell, freundlich und immer für mich erreichbar. Außer beim Abholen und Bezahlen musste ich mich mit der Werkstatt nicht auseinander setzen, alles ist für mich geklärt und übersetzt worden. Denn ähnlich wie mir das Vokabular für Klempner Arbeiten fehlt, fehlt mir (außer Batterie und Ich habe eine Panne) das Vokabular für Mechaniker Arbeiten im Französischen. Ein klares Plus für die Plus-Mitgliedschaft des ADAC.

    Links:

    Best Western, Grasse

    Route:

    Grasse – Grasse


  • Seealpen 2014 – 4. Juli 2014

    Der Plan war über zwei Schluchten und vier Pässe der Seealpen nach Monaco zu fahren, dort einmal durch die Casino-Kurve, weiter nach Nizza und ggf. weiter in Richtung Grasse zu fahren. Und ich wollte einmal meine Füße ins Mittelmeer halten.

    Es kam anders:
    St. Martin d’ Etraunes – Gorges de Dalouis – Gorges Sup. du Cians – Beuil – Col de la Couillole – D2205 – Nizza – Grasse (193,3 km)

    Der Tag empfing uns mit Regen und Gewitter über dem Col de la Cayolle.

    Bei leichtem Regen starteten wir in die Gegenrichtung durch die Gorges de Dalouis, die mit dunkelrotem Fels überraschte. In unsere Richtung gab es 17 unbeleuchte Felsentunnel. In die Gegenrichtung keinen einzigen. Da wo die Straße zu eng war, hat man für unsere Richtung einfach eine Straße durch den Felsen gesprengt, während die Gegenrichtung um den Felsen rum geführt wurde.

    Da das Wetter stabil war sind wir, wie geplant, durch die Gorges Sup. du Cians nach Beuil gefahren. In Beuil kündigte sich der Regen schon an, der uns inklusive Gewitter mitten in der Abfahrt vom Col de la Couillole erwischte. Der Regen wurde stärker und Böen kamen dazu, so dass wir unter einen Felsvorsprung geflüchtet sind, um das Schlimmste abzuwarten.

    Danach ging es mit einem trocken-leichter Regen-Mix weiter, bis wir einen Imbiss gefunden und angesteuert haben. Gute Idee, denn es wurde schlimmer. Leider waren die bestellten Burger innen komplett roh, auch eine Reklamation half nicht, so dass das Essen quasi ausfiel. Wie beschlossen den Abbruch der geplanten Tour und die direkte Fahrt nach Nizza, wo wir ein Hotel suchen wollten.

    Der Regen begleitete uns bis kurz vor Nizza. Die Straße war soweit gut ausgebaut, überraschte aber teilweise mit gefrästen Längsrillen, die trocken schon kein Vergnügen sind.  Vor Nizza gab es Stau, aber es wurde heller und trockener.

    Auf der Gegenspur reihte sich Tankstelle an Tankstelle und Laden an Laden. Aber man kommt da nicht hin. Links abbiegen ist nicht vorgesehen, ebenso wenig wie Tankstellen und Läden auf unserer Straßenseite. Also weiter in Richtung Innenstadt.

    Mit einem Mal schlägt ein gutes Stück links von uns ein Blitz ein. Der Einschlag war so laut, dass ich vor Schreck fast nach rechts vom Motorrad gehüpft bin und mir, trotz Helm, noch einige Minuten lang das linke Ohr klingelte. Unglaublich!

    Kaum ist man in Nizza am Flughafen vorbei auf der Promenade des Anglais, liegt das türkis schimmernde Mittelmeer keine 30 m von einem entfernt. Die Promenade wird von Palmen gesäumt, die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Schöööön!!

    Für einen kurzen Moment jedenfalls.
    Aus dem Nichts öffnete der Himmel seine Schleusen und ließ einen Sommerregen los, den ich so noch nie erlebt habe. Die Straße stand binnen kürzester Zeit gut 10 cm unter Wasser und wir sahen nichts mehr. Baden in Nizza hatte ich mir jedenfalls anders vorgestellt.
    Wir wären gern ins Trockene (Haltestelle, Tankstelle, irgendwas) geflüchtet. Gab es. Auf der anderen Straßenseite. Wendemöglichkeiten? Null.

    Der Regen ließ nach, als wir doch noch eine Möglichkeit zum Abbiegen fanden und zu einer Tankstelle zurück konnten. Dort ließen wir uns erstmal abtropfen, bevor wir die Motorräder betankten.

    Hotel in Nizza suchen? Nein! Raus aus dem Chaos. Wir fahren weiter in Richtung Grasse. Der Himmel ist wieder sommerlich blau, die Straßen trocknen ab.
    Bis Grasse gab es dann genau ein Hotel, das wir uns hätten leisten wollen. Das Hotel hatte, laut Anschlag an der Tür, von 16  Uhr bis 22 Uhr geschlossen. Es war 16.05 Uhr. H-Man schaute ziemlich unglaublich, als ich ihm das erzählte, aber es war so.
    Also weiter nach Grasse rein – in das unglaubliche Verkehrschaos dieser sonst charmanten Altstadt. Ein passendes Hotel wollte sich auch hier nicht finden lassen.

    Nach dem letzten gesehenen (Hotel Panorama) hielt H-Man am Berg rechts an. Zigarettenpause und Kriegsrat wohin wir noch weiter fahren.  Aufgesessen und…  meine Honda verweigerte glattweg den Dienst. Die Spannung brach beim Druck auf den Starter sofort ein und sie röchelte nicht mal mehr.  H-Man stand vor mir am Hang und bekam es nicht mit. Ich brüllte mir die Seele aus dem Leib, bis ich die KTM übertönt hatte und er, so grade noch, registrierte, dass ich ein Problem habe.

    Vorsichtig ausgedrückt standen wir ungünstig in den beiden engen Motorradboxen am Hang. Wir mussten die Maschinen erstmal aus dem Weg der stark befahrenen Straße rangieren. Und nun? Weiterfahrt unmöglich. Gestrandet in Grasse. Auf einem Freitag um 17.05 Uhr und damit ca. 55 Minuten bevor Deutschland gegen Frankreich im WM-Viertelfinale antreten musste.

    Erste Handlung:
    Zimmer beschaffen. Das vorher verschmähte Hotel Panorama lag 70 m den Hang runter. Es war ziemlich schraddelig und strahlte den Charme der 70er Jahre zum Preis von heute aus. Man bot mir ein Zimmer für 40 € und eins für 69 € an – das Zimmer für 40 € wollte ich mir nicht vorstellen, also das teurere. Der Preis natürlich ohne Frühstück, für das noch mal 16 € oben drauf kamen.

    Zweite Handlung:
    a) H-Man zieht schon mal mit seinem Gepäck ins Zimmer ein, während
    b) Schnute mit dem ADAC in Deutschland telefoniert.  ADAC ohne Warteschleife, nachdem man dem Sprachcomputer das Urlaubsland mitgeteilt hat, netter Mitarbeiter, der einige Daten abfragt und umgehende Weiterleitung an die ADAC-Stelle in Frankreich verspricht mit baldiger Kontaktaufnahme zu mir. Ob wir noch Hilfe bei der Unterkunftssuche brauchen? Nein, danke – wir sind fast direkt vor einem Hotel liegen geblieben.
    c) Schnute zieht mit ihrem Gepäck in das Hotelzimmer ein.

    Um 17.55 Uhr saßen wir vor dem großen Fernseher in einer Bar 50 m neben dem Hotel, um das Spiel zu schauen. Ich wollte grade den ersten Schluck hart verdientes Bier nehmen, als der ADAC anrief: Um 19 Uhr kommt der Abschlepper. Also kein Bier für mich, weil wir nicht wussten, ob sich ggf. doch noch an dem Abend was regeln lässt. Die Hoffnung war, dass es nur die Batterie ist und nicht, wie bei einigen älteren CBF-Modellen mit Laufleistung um 50.000 km, die Lichtmaschine.

    Der Abschlepper kam um 19.10 Uhr, fragte kurz einige Details ab, die wir ihm in einem Mix aus Live-Vorführung, englisch und französisch erklärten, ließ mich ein Abschlepp-Protokoll unterschreiben, lud die Honda auf und fuhr damit von dannen. Der ADAC würde sich bei mir melden.  Taten sie auch gegen 21.15 Uhr mit der Meldung, dass das Motorrad heile auf dem Hof des Abschleppers angekommen ist und man sich morgen auf die Suche nach einer Werkstatt macht. Ich höre wieder von ihnen.

    Nun hängen wir also etwas in der Luft. Immerhin steht Deutschland im Halbfinale der WM und wir haben noch ein nettes Restaurant mit gutem Essen gefunden.

    Links:

    Hotel Panorama, Grasse (nicht empfehlenswert)

    Route:

    St. Martin d’ Etraunes – Grasse

    weitere Bilder:


  • Seealpen 2014 – 3. Juli 2014

    Jausiers – Col de Restefond – Col de la Bonette – Isola – Isola 2000 – Col de la Lombarde – Ruviera – Col de Larche – Jausiers – Barcelonette – Gorges du Bachelard – Col de la Cayolle – St. Martin d’Etraunes (220,4 km)

    Heute geht die Runde von Frankreich nach Italien und zurück nach Frankreich.

    Nachdem wir fast am Fuß des Col de la Bonette übernachtet haben, sind wir schon um 9 Uhr auf dem Weg nach oben. Die Straße ist noch fast leer. Als wir einen kurzen Stop einlegen sage ich noch im Scherz “Und bisher keine Reisebusse. Das war vor zwei Jahren anders.” Keine Minute später kommt ein Reisebus den Berg hoch an uns vorbei. Na gut…

    Der Bus lässt sich gut überholen, macht sogar Platz und winkt mich vorbei.  Die Straßen sind in sehr gutem Zustand, lediglich einige harte Absätze hangabwärts stören etwas.
    Oben angekommen drehen wir die Runde um die Cime de la Bonette, damit wir die höchste asphaltierte Alpenstraße Europas auch komplett genommen haben. Der Weg runter, Richtung Isola, lässt sich fix und flüssig fahren und ist sehr gut einsehbar. Die Straße führt mittig durch das Camp de Fourches, ein mittlerweile verfallenes Militärcamp.

    Das Flusstal der Tinée (Vallée de la Tinée) ist sehenswert und gut zu befahren. Eine Baustelle zwingt uns zu einer Umleitung bei Isola. Diese hat man kurzerhand rechts schwenkend über den asphaltierten Radweg gelegt, der zwischen der Tinée (rechts) und Campingplatz und Schrebergärten (links) lang führt. Praktisch veranlagte Franzosen…

    Danach geht es hinauf nach Isola 2000. Der Skiort gehört zu Isola und ist, wie Wikipedia verrät, Anfang der 70er Jahre rein nach praktischen, denn nach ästhetischen Gesichtspunkt gebaut worden. Das glaubt man sofort.
    Die Auffahrt geht fix auf breiten Straßen und man kommt auf Tempo. Bis man in der ersten engen Kehre mit starker Überhöhung landet. Wow… gut, dass wir wegen entgegenkommender LKW und Bauarbeitern das Tempo runtergeschraubt hatten.

    Hinter Isola 2000 wird es enger und höher. Bäume gibt es nicht mehr. Grade oben angekommen stellt man fest, dass man vor 100 m nach Italien reingefahren ist. Die Passhöhe ist auf italienischer Seite.
    Die Abfahrt startet relativ flach, wenn auch eng (ein bis anderthalb Autos breit, ab und an Platz für zwei Autos), über die Höhe und ist weit einzusehen. Dann kommt der Nadelwald und die Straße bleibt so eng. Zum Glück ist wenig los und wir haben nur ab und an Motorräder als Gegenverkehr. Aber auch das bedeutet schon sich aneinander vorbei zu zirkeln. Fast in Ruviera angekommen überrascht die Straße mit 13 Kehren auf 1,5 km, teilweise im Abstand von 60 m.

    Über die SS21 geht es auf gut ausgebauter Straße fix zum Col de Larche, den wir durch 18 Kehren, die alle ordentlich durch nummeriert sind, erklimmen. Kehre Nr. 19 hat man jedoch vergessen zu nummerieren, weswegen wir sie beide fast übersehen hätten.

    Wieder mal hat Hermann ein Murmeltier gesichtet. Es soll sich auf dem weißen Mittelstreifen am Col de Larche gesonnt haben.

    Ebenso weit, episch und fix, wie es hoch ging, geht es wieder zurück nach Frankreich nach Barcelonette.

    Dort nehmen wir den Einstieg in die Gorges du Bachelard. Unglaublich was die Natur erschaffen kann. Die Straße ist in der ADAC Tourenkarte als “enge Straße” bezeichnet ist, was nicht untertrieben ist. Nach einigen km steht ein Wohnmobil – die Beifahrerin erkundet zu Fuß, ob sie überhaupt noch weiter kommen. Sollten sie, denn Wenden war an dem Punkt auch nicht mehr möglich.

    Die Straße windet sich ein bis zwei Autos breit weiter, ist aber leider mit viel Rollsplit überzogen, was das Tempo noch weiter drosselt. Zum Glück ist wenig los. Belohnt werden wir mit einer genialen Aussicht auf dem Col de la Cayolle.

    Berg runter wechselt für 3 km plötzlich die Gesteinsfarbe von braun / beige auf pechschwarz und erinnert mich so an den Ätna. Ob da früher mal was aktiv war?

    In St. Martin d’Etraunes finden wir ein Hotel, in dem wir die Motorräder in der Garage unterbringen können. Allerdings mit der Bitte Platz zu lassen, da noch ein Gespann-Fahrer erwartet wird.

    Wir legen einen Waschabend ein und stellen dabei fest, dass nicht wir das Waschbecken zum Überlaufen bringen, sondern der Abfluss nicht dicht ist. Ein Kosmetik-Mülleimer hilft und fängt das Wasser auf.  Höflicherweise würde ich spätestens bei Abfahrt auf den Defekt hinweisen. Da meine Französisch-Kenntnisse aber nicht für die Erklärung von Klempner-Problemen ausreichen, beschließe ich, dass sie es schon verstehen, wenn ein mit Wasser gefüllter Eimer unterhalb des Abflusses steht. Excusez-moi, Monsieur 🙂

     

    Links:

    L’Hôtel La Vallière

    Route:

    Jausiers – St. Martin d’Etraunes

    weitere Bilder:

     


  • Seealpen 2014 – 2. Juli 2014

    Bussoleno – Susa – Exilles – Oulx – Cesana – Claviere – Col de Montenèvre – Briancon – Col d’Izoard – Guillestre – Col de Vars – Jausieres (169,2 km)

    Heute geht es zurück nach Frankreich. Wegen des Wetters haben wir von Stadt zu Stadt und von Pass zu Pass geplant, um ggf. ausweichen zu können oder eben nicht weiter zu fahren.

    Der Weg bis nach Cesana war flott zu fahren, mit schönen Aussichten auf z.B. das Forte d’Exilles.

    Überhaupt sieht man links und rechts der Straßen auf italienischer Seite jede Menge alte Forts und Burgen. Einige sind nur noch Ruinen, einige sind Hotels oder sonstige Ausflugsziele.

    Die Auffahrt nach Claviere war zwar durch Baustellen gekennzeichnet, aber trotzdem gut und fix zu fahren.  Claviere ist die Grenze zwischen Italien und Frankreich. Inklusive Grenzkontrolle!  Nach kurzem Stop wurden wir weiter gewunken, aber den neugierigen Blick auf das Kennzeichen gab es trotzdem – dabei war das Äffchen doch von vorne schon beflaggt.

    Kurz hinter dem Ort, Tempo 50 wäre eigentlich nicht nötig gewesen, waren wir aber froh, dass das Auto vor uns sich dran hielt. Es wurde gelasert.

    H-Man stand plötzlich ohne funktionierendes Navi da, denn die Karte Südfrankreich war auf dem anderen Kartenabschnitt. Abends musste er für die weiteren Touren umspeichern und ich erstmal vorweg fahren.

    Briancon ist verkehrs- und asphalttechnisch eine Katastrophe! Bergrunter in den Ort rein gibt es einen Zebrastreifen, der (als einer der wenigen überhaupt) von jedem Autofahrer beachtet wird. Da es der Hauptübergang zwischen Altstadt und Marktplatz ist, ist dementsprechend viel los und der Vekehr staut sich km-weit auf den Berg zurück.

    Überhaupt Verkehr und Frankreich.
    In jedem Ort gibt es dutzende Zebrastreifen, die aber von keinem Auto-, Motorrad-, Roller- oder LKW-Fahrer beachtet werden. Immerhin sind die Fußgänger dazu auch so erzogen, dass sie auf eine echte Lücke warten und nicht einfach los laufen.  Es gibt auch Orte, die auf 100 m Straße 4 Zebrastreifen aufgemalt haben.  Dazu kommen dann noch jede Menge, bei uns “Berliner Kissen”, genannte Bremsschwellen, die mehr oder weniger hoch sind und in der Mitte jede Menge Verzierungen der Fahrzeuge tragen, die zu schnell rauf oder runter gefahren sind.

    Die Hotelsuche in Briancon haben wir aufgegeben und uns nach einem professionellen Blick auf das Wetter (Wie sieht der Himmel aus?) entschlossen doch noch über den Col d’Izoard und den Col de Vars in Richtung Barcelonette zu fahren.

    Am Col d’Izoard haben wir die Mittagspause in einer Almhütte eingelegt, in der nach der Bestellung eines Sandwiches fast ein ganzes Baguette mit ordentlich Belag geliefert wurde.

    Endstation für den Tag war Jausieres, wo das Hotel zusätzlich noch die örtliche Tankstelle mit einer Zapfsäule 5 m vor dem Hoteleingang betrieb.  3 m daneben haben wir uns einen Tisch geschnappt. Wie Kino!

    Links:

    Sans Souci, Jausiers

    Route:

    Bussoleno -> Jausiers

    weitere Bilder: