Seealpen 2014 – 4. Juli 2014

 Jul, 04 - 2014   no comments   FotoMotorradNatur

Der Plan war über zwei Schluchten und vier Pässe der Seealpen nach Monaco zu fahren, dort einmal durch die Casino-Kurve, weiter nach Nizza und ggf. weiter in Richtung Grasse zu fahren. Und ich wollte einmal meine Füße ins Mittelmeer halten.

Es kam anders:
St. Martin d‘ Etraunes – Gorges de Dalouis – Gorges Sup. du Cians – Beuil – Col de la Couillole – D2205 – Nizza – Grasse (193,3 km)

Der Tag empfing uns mit Regen und Gewitter über dem Col de la Cayolle.

Bei leichtem Regen starteten wir in die Gegenrichtung durch die Gorges de Dalouis, die mit dunkelrotem Fels überraschte. In unsere Richtung gab es 17 unbeleuchte Felsentunnel. In die Gegenrichtung keinen einzigen. Da wo die Straße zu eng war, hat man für unsere Richtung einfach eine Straße durch den Felsen gesprengt, während die Gegenrichtung um den Felsen rum geführt wurde.

Da das Wetter stabil war sind wir, wie geplant, durch die Gorges Sup. du Cians nach Beuil gefahren. In Beuil kündigte sich der Regen schon an, der uns inklusive Gewitter mitten in der Abfahrt vom Col de la Couillole erwischte. Der Regen wurde stärker und Böen kamen dazu, so dass wir unter einen Felsvorsprung geflüchtet sind, um das Schlimmste abzuwarten.

Danach ging es mit einem trocken-leichter Regen-Mix weiter, bis wir einen Imbiss gefunden und angesteuert haben. Gute Idee, denn es wurde schlimmer. Leider waren die bestellten Burger innen komplett roh, auch eine Reklamation half nicht, so dass das Essen quasi ausfiel. Wie beschlossen den Abbruch der geplanten Tour und die direkte Fahrt nach Nizza, wo wir ein Hotel suchen wollten.

Der Regen begleitete uns bis kurz vor Nizza. Die Straße war soweit gut ausgebaut, überraschte aber teilweise mit gefrästen Längsrillen, die trocken schon kein Vergnügen sind.  Vor Nizza gab es Stau, aber es wurde heller und trockener.

Auf der Gegenspur reihte sich Tankstelle an Tankstelle und Laden an Laden. Aber man kommt da nicht hin. Links abbiegen ist nicht vorgesehen, ebenso wenig wie Tankstellen und Läden auf unserer Straßenseite. Also weiter in Richtung Innenstadt.

Mit einem Mal schlägt ein gutes Stück links von uns ein Blitz ein. Der Einschlag war so laut, dass ich vor Schreck fast nach rechts vom Motorrad gehüpft bin und mir, trotz Helm, noch einige Minuten lang das linke Ohr klingelte. Unglaublich!

Kaum ist man in Nizza am Flughafen vorbei auf der Promenade des Anglais, liegt das türkis schimmernde Mittelmeer keine 30 m von einem entfernt. Die Promenade wird von Palmen gesäumt, die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Schöööön!!

Für einen kurzen Moment jedenfalls.
Aus dem Nichts öffnete der Himmel seine Schleusen und ließ einen Sommerregen los, den ich so noch nie erlebt habe. Die Straße stand binnen kürzester Zeit gut 10 cm unter Wasser und wir sahen nichts mehr. Baden in Nizza hatte ich mir jedenfalls anders vorgestellt.
Wir wären gern ins Trockene (Haltestelle, Tankstelle, irgendwas) geflüchtet. Gab es. Auf der anderen Straßenseite. Wendemöglichkeiten? Null.

Der Regen ließ nach, als wir doch noch eine Möglichkeit zum Abbiegen fanden und zu einer Tankstelle zurück konnten. Dort ließen wir uns erstmal abtropfen, bevor wir die Motorräder betankten.

Hotel in Nizza suchen? Nein! Raus aus dem Chaos. Wir fahren weiter in Richtung Grasse. Der Himmel ist wieder sommerlich blau, die Straßen trocknen ab.
Bis Grasse gab es dann genau ein Hotel, das wir uns hätten leisten wollen. Das Hotel hatte, laut Anschlag an der Tür, von 16  Uhr bis 22 Uhr geschlossen. Es war 16.05 Uhr. H-Man schaute ziemlich unglaublich, als ich ihm das erzählte, aber es war so.
Also weiter nach Grasse rein – in das unglaubliche Verkehrschaos dieser sonst charmanten Altstadt. Ein passendes Hotel wollte sich auch hier nicht finden lassen.

Nach dem letzten gesehenen (Hotel Panorama) hielt H-Man am Berg rechts an. Zigarettenpause und Kriegsrat wohin wir noch weiter fahren.  Aufgesessen und…  meine Honda verweigerte glattweg den Dienst. Die Spannung brach beim Druck auf den Starter sofort ein und sie röchelte nicht mal mehr.  H-Man stand vor mir am Hang und bekam es nicht mit. Ich brüllte mir die Seele aus dem Leib, bis ich die KTM übertönt hatte und er, so grade noch, registrierte, dass ich ein Problem habe.

Vorsichtig ausgedrückt standen wir ungünstig in den beiden engen Motorradboxen am Hang. Wir mussten die Maschinen erstmal aus dem Weg der stark befahrenen Straße rangieren. Und nun? Weiterfahrt unmöglich. Gestrandet in Grasse. Auf einem Freitag um 17.05 Uhr und damit ca. 55 Minuten bevor Deutschland gegen Frankreich im WM-Viertelfinale antreten musste.

Erste Handlung:
Zimmer beschaffen. Das vorher verschmähte Hotel Panorama lag 70 m den Hang runter. Es war ziemlich schraddelig und strahlte den Charme der 70er Jahre zum Preis von heute aus. Man bot mir ein Zimmer für 40 € und eins für 69 € an – das Zimmer für 40 € wollte ich mir nicht vorstellen, also das teurere. Der Preis natürlich ohne Frühstück, für das noch mal 16 € oben drauf kamen.

Zweite Handlung:
a) H-Man zieht schon mal mit seinem Gepäck ins Zimmer ein, während
b) Schnute mit dem ADAC in Deutschland telefoniert.  ADAC ohne Warteschleife, nachdem man dem Sprachcomputer das Urlaubsland mitgeteilt hat, netter Mitarbeiter, der einige Daten abfragt und umgehende Weiterleitung an die ADAC-Stelle in Frankreich verspricht mit baldiger Kontaktaufnahme zu mir. Ob wir noch Hilfe bei der Unterkunftssuche brauchen? Nein, danke – wir sind fast direkt vor einem Hotel liegen geblieben.
c) Schnute zieht mit ihrem Gepäck in das Hotelzimmer ein.

Um 17.55 Uhr saßen wir vor dem großen Fernseher in einer Bar 50 m neben dem Hotel, um das Spiel zu schauen. Ich wollte grade den ersten Schluck hart verdientes Bier nehmen, als der ADAC anrief: Um 19 Uhr kommt der Abschlepper. Also kein Bier für mich, weil wir nicht wussten, ob sich ggf. doch noch an dem Abend was regeln lässt. Die Hoffnung war, dass es nur die Batterie ist und nicht, wie bei einigen älteren CBF-Modellen mit Laufleistung um 50.000 km, die Lichtmaschine.

Der Abschlepper kam um 19.10 Uhr, fragte kurz einige Details ab, die wir ihm in einem Mix aus Live-Vorführung, englisch und französisch erklärten, ließ mich ein Abschlepp-Protokoll unterschreiben, lud die Honda auf und fuhr damit von dannen. Der ADAC würde sich bei mir melden.  Taten sie auch gegen 21.15 Uhr mit der Meldung, dass das Motorrad heile auf dem Hof des Abschleppers angekommen ist und man sich morgen auf die Suche nach einer Werkstatt macht. Ich höre wieder von ihnen.

Nun hängen wir also etwas in der Luft. Immerhin steht Deutschland im Halbfinale der WM und wir haben noch ein nettes Restaurant mit gutem Essen gefunden.

Links:

Hotel Panorama, Grasse (nicht empfehlenswert)

Route:

St. Martin d‘ Etraunes – Grasse

weitere Bilder:


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